Blutverdünnung: Gut zu wissen!

 

 

 

Unser Blut hat die wunderbare Eigenschaft, dass es – normalerweise flüssig, um problemlos in alle Regionen des Körpers transportiert werden zu können – bei Bedarf gerinnen kann, damit Wunden sich selbstständig verschließen und wir nicht verbluten. Ist aber dieses fein justierte Gleichgewicht von Fließ- und Gerinnungsfähigkeit gestört, kann das zu lebensgefährlichen Situationen führen.

Hat sich etwa ein Blutgerinnsel (Thrombus) gebildet, besteht die Gefahr, dass dieses wie ein Pfropf das Gefäß verschließt (Gefäßverschluss, Thrombose). Begibt sich der Thrombus sogar auf Wanderschaft (oder Teile davon, die sich gelöst haben) wird er zum Embolus und kann die Blutversorgung blockieren. Herzinfarkt, Schlaganfall oder Lungenembolie können die Folge sein. Um dies zu vermeiden, werden in Deutschland circa eine Million Menschen mit erhöhtem Thromboserisiko längerfristig mit gerinnungshemmenden Medikamenten behandelt, mit so genannten Blutverdünnern (Antikoagulantien). Die individuell richtige Dosierung zu bestimmen, ist die Kunst – schließlich soll weder die Bildung von Gerinnseln noch die unkontrollierter Blutungen riskiert werden.
Die häufigsten Indikationen für die Anwendung von Blutverdünnern

 

  • Vorhofflimmern: Diese Herzrhythmusstörung führt dazu, dass die einzelnen Blutbestandteile in den Vorhöfen des Herzens nicht mehr ausreichend durchmischt werden – das begünstigt die Entstehung von Blutgerinnseln, die mit dem Blutstrom weitertransportiert und im Gehirn einen Schlaganfall verursachen könnten.
  • Nach der Implantation mechanischer Herzklappen.
  • Wenn Menschen bereits eine Thrombose/eine Embolie erlitten haben und der Neubildung von Blutgerinnseln vorgebeugt werden muss.
  • Genetisch bedingte Gerinnungsstörungen.

Verschiedene Arten von Medikamenten, die die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabsetzen
Die Klassiker gehören der Wirkstoffgruppe „Cumarine“ an und haben so bekannte Namen wie Marcumar oder Falithrom – sie werden meist längerfristig oder sogar lebenslang eingesetzt. Ihre Einnahme erfolgt oral und sie erreichen ihre volle Wirksamkeit erst nach einigen Tagen. Im Gegenzug hält die Wirkung auch nach dem Absetzen (oder wenn eine Dosis ausgesetzt wurde) an. Die richtige Einstellung ist so wichtig wie schwierig, da Nahrungsmittel und Medikamente die Wirkung herabsetzen können: Außergewöhnlich große Portionen an Vitamin K-haltigem wie Gemüse beispielsweise oder Arzneien wie das Gichtmittel Allopurinol, bestimmte Antibiotika, Barbiturate oder Salicylate. (Wir helfen Ihnen gern dabei, Ihre Medikamente in puncto Wechselwirkungen zu überprüfen).
Die regelmäßige ärztliche Kontrolle der Blutgerinnungsfaktoren (Quick-/INR-Wert) ermöglicht eine Anpassung der Dosierung.
Bereits seit 2011 sind „direkte Thrombin-Hemmer“ und „direkte Factor-Xa-Hemmer“ auf dem Markt, bei denen, da sie unabhängig vom Vitamin-K-Stoffwechsel arbeiten, weder stark auf die Ernährung geachtet werden muss noch häufige Laborkontrollen anstehen. Die Wirkung der so genannten NOAKs (neue orale Antiakoagulantien) tritt schneller ein als die der Cumarine und lässt entsprechend schneller nach – das kann von Vorteil sein, wenn etwa eine spontane Operation erforderlich ist – aber auch von Nachteil, da pünktlich eingenommen werden muss und sich vergessene/übersprungene Dosen direkt auswirken. Liegt eine eingeschränkte Nieren- oder Leberfunktion vor, ist bei der Einnahme von NOAKs, deren Vertreter Rivaroxaban, Apixaban oder Dabigatran heißen, Vorsicht geboten bezogen auf die Blutungsgefahr bei Überdosierung.
Wichtig für alle, die Gerinnungshemmer einnehmen:

 

  • Das Bewusstsein, dass dadurch eine erhöhte Blutungsgefahr besteht; Verletzungen können trotz ausgewogener Dosierung länger und stärker bluten (Druckverband).
  • Der Gerinnungshemmer-Ausweis, der Aufschluss über das Medikament, den Grund der Einnahme und die Dosierung gibt, muss immer mitgeführt werden.
  • Jeder behandelnde Arzt muss über die Einnahme informiert werden. Sowieso vor allen anstehenden Operationen und Untersuchungen, aber auch bei Zahnarztbesuchen. Vor Eingriffen kann auch eine Änderung der Medikation erforderlich sein.
  • Dass insbesondere die Wirkung von Cumarinen (Vitamin-K-Antagonisten) durch andere Medikamente (z.B. einige Antibiotika) beeinflusst werden kann, muss beachtet werden. Erkundigen Sie sich immer bei Ihrem Arzt oder Apotheker (auch bei nicht rezeptpflichtigen Arzneien) und lesen Sie die Packungsbeilage.
  • Vor Injektionen in den Gesäßmuskel oder in Gelenke auch unbedingt den Arzt ausdrücklich darauf hinweisen, dass und welche blutverdünnenden Medikamente eingenommen werden.
  • Die Dosierung sollte nur nach Rücksprache mit einem Arzt verändert werden, da ein Zuviel oder Zuwenig schwerwiegende Folgen haben kann.
  • Sportarten, die ein erhöhtes Verletzungsrisiko mit sich bringen, sollten vermieden oder nur betrieben werden, wenn sie ärztlich „abgesegnet“ sind.
  • Sofort in ärztliche Behandlung/in die Notfallambulanz sollten Sie sich im Falle spontan auftretender Blutungen (ohne ersichtlichen Grund) begeben; ebenso wenn Blut durch den Urin ausgeschieden wird oder durch den Enddarm und selbstverständlich wenn sich nach einer Verletzung die Blutung nicht stillen lässt.
  • Auch Kopfschmerzen, Seh- oder Sprachstörungen, Ausfallserscheinungen (Lähmungen) müssen unverzüglich ärztlich abgeklärt werden.

Rauchen aufgeben und 10 Jahre länger leben

“An irgendwas muß man ja sterben”, ist ein sehr beliebter Satz unter Rauchern, wenn es darum geht, das Rauchen aufzuhören. Das stimmt – doch den Zeitpunkt und die Lebensqualität kann man mit dem Rauchstopp selbst beeinflußen.

Im Schnitt leben Raucher, die vor ihrem 40. Geburtstag mit dem Rauchen aufhören, 10 Jahre länger. Die Leiden, die bei einem Raucher häufiger auftreten als bei Nichtrauchern sind vielfältig. Herz-Kreislauf-Beschwerden, Schlaganfälle sowie verschiedenste Krebsarten sind die Folge. Ein Raucher hat ab 40 mit einer verringerten Lebensqualität aufgrund von Krankheiten zu kämpfen, und damit auch mit einer geringeren Lebenserwartung zu rechnen.

Doch jeder Körper ist in der Lage, sich von den Folgen des Rauchens zu erholen. Das geht aber nicht unbegrenzt. Es muss vor dem 4. Lebensjahrzent sein. Nun zu denken, man kann bis 40 Jahre rauchen und hört dann auf, ist ein Irrglaube. Ein Nichtraucher hat im Vergleich immer noch eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, über 80 Jahre alt zu werden.

Aufzuhören ist sehr schwierig, laut internationalem Diagnoseschlüssel fällt das Rauchen unter die Kategorie der schwerwiegenden Suchterkrankungen. Hierzu zählt auch die Drogensucht. Deshalb ist es von Bedeutung, dass sich junge Erwachsene nicht diesem Laster zuwenden. Zum Entwöhnen gibt es viele Methoden, wie zum Beispiel Akupunktur, Pflaster, Kaugummi oder Sprays. Die Wahrscheinlichkeit, es beim ersten Versuch auch wirklich zu schaffen, liegt aber statistisch gesehen unter 20 Prozent. Um die Sucht zu besiegen, bedarf es also einer enormen Willenskraft.

Deshalb ist es umso wichtiger, mit dem Rauchen erst gar nicht zu beginnen oder so schnell wie möglich wieder aufzuhören. Der ideale Zeitpunkt ist gestern! Rauchen verringert die Lebensqualität in der 2. Lebenshälfte dramatisch. Auch die Lebenserwartung ist deutlich geringer. Wenn Sie den Willen haben, aufzuhören, suchen Sie Hilfe. Ärzte und Apotheker unterstützen Sie gerne dabei.